Wir können es kaum glauben: Heute vollendet unsere Kessy ihr 16. Lebensjahr!

Kessy auf ihrem Geburtstagsspaziergang am 23.10.10

 

Etwas über 14 Jahre ist sie nun bei uns. Eine lange Zeit schon für uns Menschen und erst recht für einen Hund. Aber was bedeutet das eigentlich für Kessy? Was bedeutet das für uns?

 

Es gibt viele Informationen in Büchern, auf DVDs, im Internet usw. zu den obligatorischen Krankheiten, mit denen ältere Hunde zu tun haben können. Auch über das Leben mit alten Hunden.

 

 

 

Ich möchte die Jahre mit Kessy aus unserer persönlichen Perspektive in Stichworten beleuchten:

Verliebt haben wir uns in die damals anderthalbjährige Kessy spontan im Juni 1996.
Wild war sie, ein echtes Energiebündel. Veni – vidi – vici, Kessy! :mrgreen:

Verrückt waren die ersten zwei / drei Jahre mit ihr. Verrückt war sie, unbändig und ungestüm … wie ein junger Hund eben ist!
Verrückt hat sie uns gemacht mit ihrem überschäumenden Temperament und vor allem, wenn sie mal wieder über die Felder rannte, um den Wildtieren auf ihre spezielle Weise ‘Guten Tag‘ zu sagen.

Verblüfft hat mich Kessy im Laufe der Jahre immer wieder mit ihrer Vielseitigkeit und ihrem Lern- oder Arbeitseifer. Die Schäferhund-typischen Betätigungen liegen mir nicht. Stattdessen habe ich mit Kessy Fun-Agility gemacht und die grundlegenden Standardübungen erarbeitet. Dazu kamen endlose Spaziergänge, Laufen am Fahrrad, etwas Nasenarbeit, DogDance, die mittlerweile weit verbreiteten Intelligenzspiele, Tricks und so manches andere noch. Alle Angebote hat Kessy bis ins hohe zweistellige Alter mit Feuereifer angenommen und sich als absolute Allrounderin erwiesen.

Verlass ist auf Kessy immer … auch immer gewesen. Sie ist eine treue und zuverlässige Seele. Sie liebt praktisch alle Menschen. Die Hundesprache beherrscht sie perfekt und hat bei allem Selbstbewusstsein auch gewusst, wenn es Zeit war zum Nachgeben. Zweifelsohne hätte sie uns ggf. aber auch bis zum Letzten verteidigt.

Verdient hat sich Kessy gemacht um unsere beiden Jungs. Souverän hat sie Charly und ein Jahr später auch Merlin erzogen. Sie wusste innerhalb weniger Sekunden, wie sie die beiden zu handhaben hatte und hat sie ihren Charakteren entsprechend behandelt. Besser hätten es die leiblichen Mütter nicht machen können.

Verschoben hat sich durch Kessy unser Blick auf das Verhalten von Hunden. Der Fokus liegt nicht mehr auf den Fehlern oder auf dem, was der Hund im menschlichen Alltag an unerwünschtem Verhalten zeigt. Stattdessen lernte ich (auch) durch Kessy, mich mit den individuellen Bedürfnissen unserer Hunde auseinanderzusetzen. Gutes Training richtet sich am erwünschten Verhalten aus und bestärkt es. Diese Wende hat innerhalb kürzester Zeit wahre Wunder bewirkt, nicht nur bei Kessy …

Verkalkt ist Kessy noch lange nicht! Auch bei Hunden gibt es Krankheitsformen wie Alzheimer oder Demenz. Kessy ist von keinem betroffen. Sie braucht für vieles inzwischen etwas länger und manches geht körperlich einfach nicht mehr. Ihr Kopf jedoch ist immer noch wach. Und immer noch will sie – in dem ihr möglichen Rahmen – arbeiten und sogar Neues lernen.

Vergänglich ist die Zeit mit unseren Hunden. Das wissen wir, aber nun wird die Vergänglichkeit von Kessy für uns greifbar.

Ca. 10 Jahre hat sie praktisch ohne jegliche Krankheit überstanden. Das an sich ist heute – gerade auch für einen Hund ihrer Größe und Rasse – nicht wirklich die Norm. Dann kamen nacheinander die ersten Zeichen des körperlichen Alterns:

  • die erste Tumoroperation (der noch drei weitere folgten)
  • die ersten Spondylosen entlang der Wirbelsäule (die inzwischen ab der Schulter bis zum Rutenansatz fast komplett versteift ist)
  • das erste geriatrische Vestibularsyndrom (von inzwischen drei Schüben)
  • die ersten Arthrosen in den Zehen und in der Hüfte.

Die Ohren haben vor einem Jahr endgültig den Dienst quittiert (gut, dass wir seit eh und je mit gesprochenen und Sichtsignalen arbeiten 😉 ). Auf den Augen machen sich inzwischen deutliche Schatten breit. Selbst die Nase lässt langsam nach.

Manchmal hat Kessy ‘Aussetzer‘. Dann geht ein Zucken durch ihren ganzen Körper. Verwirrt schaut sie uns dann an und sieht dabei so verloren aus, dass es mir körperlich weh tut … bis sie wieder im Hier und Jetzt landet, mich angrinst und fröhlich weiterstapft.

Vertrauensvoll ist das Leben mit unseren alten Hunden – und ganz besonders mit Kessy. Es ist wunderbar. Die Vertrautheit nach so vielen Jahren des gemeinsamen Lebens ist kaum in Worte zu fassen. Wir wissen sehr genau, was wir aneinander haben. Die vielen gemeinsamen Unternehmungen und Erlebnisse haben sich tief in unser Bewusstsein gegraben.

Das Leben mit alten Hunden ist aber auch anstrengend. Sobald irgendetwas in ihrem Verhalten nicht der Norm entspricht, sind wir in ‘Hab Acht‘-Stellung. Solche Situationen gibt es inzwischen öfters. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst: Jeder Tag mit ihr kann der letzte sein.

Kessy genießt das Leben! Sie genießt auch immer noch längere Spaziergänge – idealerweise bei ca. 10 °C und Sonne mit leichtem Wind. Sie saugt neue Eindrücke nach wie vor auf wie ein Schwamm: bunte Wiesen, duftende Waldwege, neue Hunde …. Übrigens: Alter schützt vor Liebe nicht. Kessy flirtet immer noch hemmungslos jeden ‚passenden‘ Rüden an. 😉

Von einer jungen wilden Hummel hat sie sich entwickelt zu einer genießerisch schwelgenden Althündin. Sie wird langsam träger und braucht immer länger, um nach Ruhephasen wieder richtig wach zu werden. Das Aufstehen selbst sieht manchmal recht gruselig aus! Beim Spazierengehen braucht sie inzwischen an manchen Tagen gute 5 Minuten, um sich einzulaufen. Aber wehe, wenn das dann geschafft ist! Dann läuft sie und läuft und läuft … wie früher in der VW-Käfer-Werbung. :mrgreen:
Es kann sogar noch passieren, dass sie vor lauter Spaß ein paar Meter trabt, wenn ich gerade mit Merlin einen kleinen Joggel einlege oder sie ein Objekt ihrer Begierde entdeckt hat. Ich erschrecke dann regelmäßig beim Gedanken an ihre steifen Knochen. Aber der Blick in ihr Gesicht – der erhobene Kopf, die strahlenden Augen und dieses breite Grinsen – in diesen Momenten löst ein unglaubliches Glücksgefühl in mir aus. Sie hat dann einen solchen Spaß! Wer könnte ihr den vergönnen? Ich ganz sicher nicht! Von diesen Momenten wünsche ich unserer Kessy noch ganz, ganz viele :-)

Zum Abschluss noch ein paar Impressionen der letzten fünf Jahre: