Merlin hat seine Lehre beim großen Meister angetreten.

Immer wieder hat er in den letzten Wochen an der magischen Pforte angeklopft und um Einlass gebeten. Jedes Mal wurde er abgewiesen. Seine Zeit sei noch nicht gekommen.

Gestern Abend jedoch wurden die Tore für ihn ganz weit aufgemacht …

 

Merlin war von Anfang an ‚anders‘:

  • anders aufgrund seines Farbschlags (?)
  • anders als die Collies, die ich bis dahin kennengelernt hatte
  • anders als meine anderen Hunde … und als alle anderen Hunde, denen wir im Laufe seiner 13,5 Lebensjahre begegneten.

 

 

Er war der Hund, den ich mir am gezieltesten und – wie ich fälschlicherweise dachte – am besten vorbereitet ausgesucht hatte. Er fiel in einem ‚M‘-Wurf, was mir die Namensfindung nicht wirklich erleichterte. Auf der Suche kam ich an einer Litfaßsäule mit einem Filmplakat vorbei. Darauf war der Zauberer Merlin mit einem langen, spitzen Gesicht skizziert, das durch einen sehr hohen, spitzen Hut noch schmaler wirkte als es ohnehin schon war.

Als ich das sah, hatte ich den richtigen Namen für meinen Hund gefunden. :-)

Fortan zauberte der kleine Prinz Pfützen auf unseren Wohnzimmerboden, Lächeln in unsere Gesichter und bewirkte in seinem weiteren Leben auch sonst noch so manches kleine Wunder. Er verzauberte die Menschen mit seinem Blick und seinem Wesen, das allerdings auch seine Tücken hatte.

Seine hysterische Ader kostete nicht nur mich oft Nerven. Seine Mobbing-Attacken gegen Charly kosteten ihn so manche Schramme.

Ihn zu führen, war so unglaublich leicht … und doch so schwer. Ich suchte und fand Wege.  😉

Mit ihm entdeckte ich das Training über positive Verstärkung und unternahm die ersten Clicker-Versuche. Auch hier sollte sich zeigen, wie anders dieser Hund war. Entgegen allen Erwartungen brauchte er lange, um sich auf diesen Weg des Lernens einzulassen. Der Fehler lag jedoch bei mir und der optimierungsfähigen Anleitung. Das fand ich wenig später Dank Nina heraus. Damit kam der Durchbruch.

Mit Merlin entdeckte ich außerdem DogDance, Tricks und dass das Geheimnis einer guten Mensch-Hund-Beziehung in der Teamarbeit und dem Verständnis und Verstehen dieses anderen Wesens liegt, nicht in der ‚Unterordnung‘, die mir eh nicht lag.

Schon der Fortgang von Charly – auf den er zu dessen Lebzeiten so gerne verzichtet hätte – nahm ihn mehr mit als vermutet. Kessys Tod jedoch konnte er nicht verwinden. Wen mag dies wundern nach über 13 gemeinsamen Jahren?

Seit einigen Jahren plagten ihn Probleme im Lendenwirbelbereich und noch so einige Alterswehwehchen. Kessys Tod schlug ihm im wahrsten Sinn des Wortes auf die Augen, auf die Ohren und das komplette System. Mit ihr verließ ihn sein Lebenswille. Am schlimmsten war dabei seine Appetitlosigkeit. Zuletzt bestand er fast nur noch aus Haut und Knochen. Dieser Anblick war schwer für uns zu ertragen, aber wir wollten ihn nicht einfach aufgeben.

Merlin hatte trotz all dieser Probleme noch eine schöne Zeit. An manchen Tagen leuchteten sogar seine Augen wieder und ein kleines Lächeln flog über sein Gesicht.

Doch immer stärker zog es ihn zum großen Meister. Ich bin unendlich froh, dass dieser ihn nun aufgenommen hat.

Merlin zaubert jetzt dort oben zwischen den Sternen kleine Schnuppen. Bei jeder Sternschnuppe werde ich an ihn denken und mich fragen, ob er nun einen Nachfolger mit seinem speziellen Zauber belegt hat, damit Kessy mich dann zu ihm führen kann. Wir werden sehen …

Bis dahin wird unser Haus sehr leer sein … und sehr still.