… erklärte mir der nette Herr, nachdem wir ein paar Worte miteinander gewechselt hatten.

Auf meine verblüffte Frage, wieso sein gerade mal 3 – 4jähriger Hund denn nichts mehr lernen würde, betonte Herrchen, dass dieser Hund ja schon fertig wäre.

Fertig? Mit was denn oder mit wem?

Nun, er ginge ja ganz passabel an der Leine. Mehr bräuchte er nicht. Außerdem: Wenn ein Hund ausgewachsen wäre, könnte man im Kopf sowieso nichts mehr ausrichten. Solche Hunde würden nicht mehr lernen. Deshalb: fertig!

Szenenwechsel

Vor einer Weile lernte ich Scamp kennen, einen 14jährigen Collie. 14 Jahre sind ein stolzes Hundealter. Sie sind an ihm nicht spurlos vorbei gegangen. Hier ziept es, dort zwackt es, die Ohren wollen nicht mehr. Aber sein Blick verriet mir schon beim ersten Zusammentreffen, dass es hinter diesem Schädel noch mächtig rotiert.

Scamp hat Glück. Sein Frauchen unternimmt viel mit ihm. Sie ist zu Recht stolz auf ihn. Demnächst wollte sie mit ihrem kleinen Lord auf ein Seminar gehen. Aber … nun hatte sie erfahren, dass da wohl auch mit dem Clicker gearbeitet würde. Sie hatte sich vor Jahren einmal darin versucht und war gescheitert. Wie sollte das jetzt bloß in diesem Seminar gehen?

Ich schlug ihr kurzerhand ein Treffen vor.

Wie die Arbeit mit Markern funktioniert, war schnell erklärt. Es blieb die Frage, wie Scamp gemarkert werden könnte.

Akustische Marker schieden natürlich aus. Optische Zeichen verwarfen wir aus anderen Gründen. Es blieb der taktile Marker. Nach einigem Überlegen und ein paar kleinen Tests entschieden wir uns dafür, Scamp mit einem Klopfen an der Schulter zu ‘clickern‘. Natürlich entsteht hier leicht eine Verzögerung bzw. der Mensch muss seinen Hund schon sehr genau beobachten, um gewünschte Bewegungsabläufe bereits im Entstehen zu erkennen. Sonst kommt der Marker zu spät. Dieses Problem löste Scamps Frauchen mit Bravour. Auf Anhieb ‚clickerte‘ sie Scamp fast immer exakt auf den Punkt. Natürlich kündigt sich der ‘Click‘ bei dieser Vorgehensweise auch durch die Bewegung des Oberkörpers an, wenn die Hand zur Schulter geht. Das ist normalerweise unerwünscht.
Aber seien wir mal ehrlich: Bei einem Hund in so hohem Alter ist dieses Thema doch wohl vernachlässigbar. 😉

Scamp wurde kurz angemarkert und schon ging es in die erste Übung. Frauchen sollte ihren Senior aus ca. 2 m Distanz mit der Nase möglichst nah an ein stehendes Objekt markern. Scamp gab alles … und war nach ca. 8 ‚Clicks‘ nur noch 10 cm vom Objekt entfernt. Sein Frauchen konnte es kaum fassen! 😯

Im Laufe der nächsten Stunde gelang es Scamps Frauchen sogar noch, ihren Hund im Liegen an ein kleines rollendes Objekt zu markern und im Stehen auch noch an einen Hocker:

Zwischen den Übungen gab es natürlich immer wieder Pausen, in denen Scamp das jeweils gerade Gelernte in Ruhe verarbeiten konnte und sollte. Diese Zeit nutzten wir Zweibeiner zur Durchsprache des gerade Geschehenen und zur Abstimmung der weiteren Vorgehensweise.

Ist es nicht unglaublich? Gerade einmal 3 Minuten Anmarkern reichten, um Scamp im Laufe eines Nachmittags ohne jegliche weitere Hilfestellung in drei verschiedene Bewegungsabläufe zu ‘clickern‘!

Da sag‘ noch mal einer, ältere Hunde würden nichts mehr lernen! 👿

Es war für uns alle ein wunderbarer, sehr intensiver Nachmittag. Scamp übertraf Frauchens kühnste Vorstellungen.

Die beiden ‘clickern‘ seither regelmäßig miteinander. Scamp hat einen Riesenspaß an diesem neuen gemeinsamen Hobby und Frauchen meldet Wunder über Wunder. Wer weiß, was sich daraus noch entwickelt?

Fazit: Das ganze Leben ist Lernen. Wer aufhört zu lernen, hört auf zu leben!

Ich bin sehr stolz, dass ich dieses Team auf seinem Weg in einen neuen Lebensabschnitt ein kleines Stück begleiten durfte.

Danke Euch beiden für Euer Vertrauen!