Eine der wichtigsten Lektionen im Leben ist die Sache mit der Impulskontrolle. Seinen spontanen Bedürfnissen nicht einfach nachzugeben, erfordert ein entsprechendes Maß an Frustrationstoleranz. Die will gelernt und geübt sein.

Jimmy hat in seiner Jugend einerseits seine Umwelt nicht genügend kennenlernen dürfen. Neue Umgebungen und die auf ihn einströmenden Eindrücke versetzen ihn daher leicht in Aufregung. Er rennt dann wild hin und her, brettert in die Leine und tut seine Aufregung lauthals kund.

Andererseits wurden ihm z.B. in Bezug auf die Kontaktaufnahme mit Artgenossen keine vernünftigen Grenzen gesetzt. Er wurde ggf. einfach in die Hundegruppe geschickt und laufen gelassen. So ist er zwar erfreulicherweise gut verträglich mit Artgenossen, konnte aber nicht lernen, dass er sich nicht immer jedem fremden Hunden unkontrolliert nähern kann.

Ein nicht zu unterschätzendes Problem. Wer mag schon in einer Gruppe mit einem Hund arbeiten, der sich an der Leine derart ‚ungehobelt‘ aufführt? Welcher Hundehalter würde seinen Hund einfach mit solch einem ‚Monster‘ zusammen lassen?

In seiner neuen Familie musste Jimmy erst einmal lernen, dass es sich für ihn lohnt, sich zurückzunehmen und dass Hundekontakte nur im Tausch gegen (wenigstens halbwegs) ruhiges Verhalten stattfinden. Jimmys Frauchen hat schon tolle Fortschritte mit ihm erzielt. Annäherungen an fremde Hunde klappen immer besser. In fremdem Umfeld ist er ruhiger geworden. Beides ist allergings noch optimierungsfähig. 😉

Vor einer Weile kam Jimmy das erste Mal in die Bunte Kiste. Zugegeben, es war zunächst anstrengend für alle Beteiligten. Jimmy weckte das halbe Dorf mit seinem Gebelle, zerrte Frauchen mal hierhin und mal dorthin. Eine gute halbe Stunde liefen wir alle gemeinsam draußen herum, bis Jimmy die Nähe der anderen Hunde halbwegs ruhig ertragen konnte. Er durfte dann auch mal den einen oder anderen Hund begrüßen, bevor es in die Halle ging. Er tat sich schwer damit, sich zu konzentrieren und runterzufahren. Doch am Ende des Tages waren wir beeindruckt, was er alles an Übungen geschafft hatte … mit den anderen Hunden in der Halle, aber ohne nähere Kontaktaufnahme. Sein Frauchen hatte alles getan, um ihm Entspannung zu ermöglichen. Wir hatten das Team zudem räumlich separiert, damit er etwas Ruhe finden konnte. Zuguterletzt hatten die anderen Teams auch auf genügend Abstand während der Übungen geachtet. Der Erfolg sprach für sich.

Zur letzten Bunten Kiste fanden sich wieder ein paar verständnisvolle und verständige Teams bereit, es mit ihm in der Gruppe zu versuchen. :-) Jimmys Annäherung erfolgte auch diesmal recht lautstark, aber nicht so heftig wie zuvor. Alle Teams achteten auf genügend Distanz und verringerten diese auf Absprache langsam. Alle beobachteten die Körpersprache der Hunde und versuchten, frontale Annäherungen möglichst zu vermeiden. Jimmy wurde derweil für jegliches akzeptables Verhalten gemarkert und belohnt.

Nach ca. 10 Minuten hatte Jimmy sich seine Mega-Belohnung redlich verdient: Er durfte endlich zu den anderen Hunden. Alle vertrugen sich prima, fegten gemeinsam übers Feld und konnten anschließend auch in der Halle arbeiten.

Es wurde ein wirklich beeindruckender, schöner Tag. Jimmy hat sehr gut mitgearbeitet in der Halle – zeitweilig sogar ohne Leine! Sein Frauchen hat die Stunden gemeinsam mit den anderen Teams sehr genossen. Wir hatten viel Spaß. Mittags gab es für die Hunde eine ausgedehnte Runde im Freilauf. Sogar die Sonne spielte mit!

Was will man mehr? Na klar, die nächste Bunte Kiste! 😉

Ich danke den Teams für die tolle Mitarbeit und den rücksichtsvollen Umgang miteinander und freue mich sehr auf den nächsten Besuch von Jimmy … und natürlich auch den anderen! :-)