Seit ein paar Wochen gibt es eine tolle neue Seite im Netz: Markertraining.de. Dort wimmelt es nur so von guten Tipps, Tricks und Anleitungen. Nun haben die Macherinnen sich wieder etwas einfallen lassen. Zu unterschiedlichen Themen rund ums Training soll regelmäßig nach der Meinung der geneigten LeserInnen gefragt werden.

Das könnten übrigens auch SIE sein. Ja, SIE da!

Eine schöne Idee, die Gedanken mal rotieren zu lassen. Das eigene Training zu analysieren kann ohnehin nie schaden. Hier also meine spontanen Gedanken zur Frage ‚Target locken, shapen, oder wie oder was? ‘.

Ich persönlich bin eine begeisterte Shaperin. Shapen ist eine geniale Kombination aus geistiger Auslastung, Teamarbeit und extrem nachhaltigem Lernen. Für mich das Feinste vom Feinen.

Meine ersten Versuche vor vielen Jahren scheiterten zunächst, weil mein ‘führungsorientierter‘ Collie damit total überfordert war. Die verzweifelten Blicke, die ich während unserer ersten gemeinsamen Clickershaping-Versuche (unter Traineranleitung!) von ihm erhielt, werde ich nie vergessen. Minutenlang (!) wartete ich darauf, dass mein Hund endlich irgendetwas täte, das ich beclickern könnte. Es war ein Desaster. Für ihn der pure Stress und für mich extrem ernüchternd, zumal alle anderen Hunde der Gruppe natürlich sofort auf das ‚Ausprobieren, was sich lohnt‘ ansprangen. :-(

Einige Wochen später war bei uns der Groschen gefallen. Ich habe daraus gelernt, dass Menschen und Hunde sehr unterschiedlich aufs Shapen anspringen.

Wenn ich heute also mit einem Hund eine Übung shapen möchte – natürlich auch mit Hilfe von Targets (Körperteile, Ikea-Deckel, Topflappen, Spielzeuge, was immer das Umfeld hergibt) – schaue ich zunächst einmal, ob der Hund überhaupt in der Lage ist, eine Aktion anzubieten. Stimmt das Umfeld? Hat der Hund evtl. irgendwelche Probleme mit dem gewählten Target (Form, Farbe, Material, Größe, …)? Ist er aufgrund seiner bisherigen Lernerfahrungen überhaupt mutig genug zum Ausprobieren? Bei den meisten Hunden gibt es keine Probleme. Das Target wird in einem unbeobachteten Moment ausgelegt. Der Hund wird angesprochen, sieht das neue Objekt oder dass sein Mensch ihm einen bestimmten Körperteil anbietet und innerhalb von Sekunden geht der Shaping-Spaß los. :-)

Was aber tun bei Hunden wie meinem damals? Denen helfe ich selbstverständlich zunächst (bzw. lasse ihnen durch ihre Menschen helfen) durch Locken. Beim Handtouch z.B. geht die Hand nicht unbemerkt in den Raum, sondern sie schnellt bewusst dann in das Blickfeld des Hundes, wenn er gerade in die Richtung schaut. Das erregt Interesse und schon ist der erste Handtouch erledigt. Ähnlich auch mit Targets auf dem Boden. Die wandern bewusst erst dann in Position, wenn der Hund guckt.

Ist das Eis mittels Locken erst einmal gebrochen, kann (und soll ;-) ) auch geshapet werden.

Ehrlich gesagt lasse ich inzwischen meist zunächst locken. Weniger wegen der Hunde als wegen der Menschen. Sie tun sich anfangs oft sehr schwer damit (deutlich schwerer als ihre Hunde). Sie sehen noch nicht, wofür Shapen gut sein soll oder kann. Andererseits möchten sie Fortschritte sehen. Ich wollte nach unserem ersten Shaping-Versuch damals alles hinschmeißen vor Frust – inkl. dem Clicker!

Heutzutage soll alles schnell gehen. Warum also in solchen Fällen Zeit verschwenden mit langen Erklärungen und Versuchen? Spätestens in der nachfolgenden Stunde kann immer noch ins wirklich freie Shapen ohne Locken eingestiegen werden.

Dann hat es bereits erste Erfolge gegeben und dann klappt’s auch bei ’schwierigen‘ Kandidaten. 😉